Gedanken zum Trauncenter

 

Eine Sache vorweg: Ich bin ein Grundlseer der in Wien lebt. Also sollte ich mich doch nicht zu den politischen Angelegenheiten der Stadtgemeinde Bad Aussee zu Wort melden?

Oder doch? Die dortigen Entwicklungen treffen mich natürlich ebenso, ist doch Bad Aussee sozusagen meine Heimatstadt, in der ich Schul- und Lehrjahre verbringen durfte, wo ich mich nach wie vor engagieren darf und mich sehr wohl fühle. Die Tatsache jedoch, in einer für österreichische Verhältnisse doch eher großen Stadt zu leben, gibt mir dann und wann die Gelegenheit Einiges von Außen zu betrachten.

Als ich Anfang Juli nach Hause komme, um dort einen schönen Sommer zu verbringen, bin ich mit unerfreulichen Tatsachen konfrontiert. Aussee kommt nicht zur Ruhe.

 

Da versuche ich also der großen Wiener Stadt, mit ihrem Überangebot an jeder Ecke, zu entfliehen und muss zu diesem Zweck am Shoppingparadies Vösendorf vorbei. Das schmucke Einkaufsstädtchen Liezen liegt auch auf der bekannten, mit Lärm- und Sichtschutz verbauten Strecke, und in Bad Mitterndorf wird ein neuer Supermarkt errichtet.

Nun freue ich mich, endlich wieder in der geliebten Heimat zu sein. Aber der Geist des Wachstums hat auch hier schon längst Einzug gehalten.

Nichts Grundsätzliches gegen Wachstum aber es sind ja in der Vergangenheit schon einige politische, wie bautechnische Hoppalas im Ausseerland passiert.

Beim Griff zur Alpenpost werde ich mittels Flugblatt auf das Thema Trauncenter (od. Geschäftshaus Ischlerstrasse) aufmerksam. Jetzt holt mich das urbane Überangebot in meiner Heimat dennoch ein! Ich muss zugeben, dass mich diese Angelegenheit dann doch kurz um meine sommerfrischlerischen Gefühle gebracht hat.

 

Jetzt soll ein Parkdeck über der Traun errichtet werden. Parkdeck gut, aber dafür gäbe es doch sicher auch andere Plätze. Um den Ausseern dieses Parkhaus zu bauen, wird ein Investor herangezogen, welcher natürlich am Gewinn seiner Investition interessiert ist. Also: Geschäftsflächen oben drauf! Die bringen die nötigen Mieten ein, denn ein Parkhaus alleine ist nicht sehr ertragreich. Natürlich ist der Herr Investor ein Profi auf seinem Gebiet (mehr als ich und du alle mal). Er hat natürlich die richtigen Argumente bei der Hand, um bei den Verantwortlichen das Gefühl zu Erwecken: „Des miass ma unbedingt hobm, wiaso gibt`s des nit scho längst, am besten mia waradn scho lous!“

Und so ergibt eines das andere, wir kennen es ja: Bürgermeister brauchen Prestigebauten. Bürger werden zu spät oder am besten gar nicht informiert. Warnende Studien und objektive Meinungen von kompetenten Fachleuten werden überhört, lange Unterschriftenlisten unterzeichnet und vom Adressaten ignoriert. Bewilligungen werden bewilligt, Genehmigungen genehmigt, Kritiker kritisiert, Bohrungen gebohrt……. Über die Köpfe der Bevölkerung hinweg, in den Hang hinein.

 

Nun aber im Ernst. Brauchen wir das in Bad Aussee wirklich? Könnte man nicht in bestehende Infrastruktur investieren? Brauchen wir auswärtige Investoren, die an Aussee nur deshalb interessiert sind, weil dort möglicherweise Kapital zu holen ist?

Wären die Mittel bei ansässigen, Jungenunternehmern nicht besser aufgehoben? Wären

dann dort nicht auch Arbeitsplätze vorhanden? Sind am Ende wirklich so viel mehr Parkplätze verfügbar? Was passiert wirklich mit altem Vitalbad und Kurmittelhaus-Anbau? Sind das nicht auch potentielle Geschäftsflächen? Was passiert eigentlich wirklich mit dem alten Expositurgebäude am Chlumckyplatz? Dort gibt es genügend Büro- oder Ordinationsflächenflächen. Wer ist dieser Konsul Hansy, oder Herr Pletzter eigentlich? Freut sich die Traun, mitsamt Fischen, wirklich über ihren neuen „natürlichen“ Flusslauf? Was passiert bei Hochwasser?

Hat die Frömmel Helga nicht auch Schreibwaren für Schulanfänger im Angebot?

(die hier enthaltene Produktplatzierung ist gratis). Diese Fragen und noch mehr sollten geklärt werden. Es wird zum wiederholten male keine ausreichende Informationspolitik betrieben. Als Versuch, dem entgegenzuwirken wurde im Juli die projektkritische Homepage www.ausseerzukunft.jimdo.com mit einer Petition online gestellt.

 

Es ist Angelegenheit der gewählten(!) Politiker, und solche sind Bürgermeister und Gemeinderäte nun mal, sich ihrer Handlungen bewusst zu sein. Bei ihnen liegt die Verantwortung. Wir Bürger müssen über Generationen hinaus mit ihren Entscheidungen leben. Aber wie es aussieht, fühlen sich die Entscheidungsträger wieder einmal gegenüber finanzstarken Geldgebern, und nicht der eigenen Bevölkerung verantwortlich.

Bei einer so großen Ablehnung seitens der Bürger, und mehr als 4000 Unterschriften sprechen eine deutliche Sprache, kann ich mir vorstellen, dass ein wiederholtes Drüberfahren und Durchboxen dieses Projektes wahlentscheidend sein kann. Und das vermutlich nicht zu Gunsten der Bürgermeisterpartei.

 

An vielen Orten erkennt man Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Heute wird teilweise versucht, diese wieder gut zu machen. In Aussee geschehen sie, dem Anschein nach, im Hier und Jetzt. Sollte das Trauncenterprojekt wirklich realisiert werden, bleibt nur zu hoffen, dass sich die Bedenken der Gegner nicht bewahrheiten.

Es muss mit einer Ablehnung dieses Projektes kein „verhindern Wollen“, kein „Stillstand“ einhergehen. Diese Debatte könnte eine Chance für dringend notwendige Veränderungen zur Belebung des Bad Ausseer Ortskerns sein.

 

Ich persönlich hoffe, dass es nicht zu Spät für ein Umdenken ist. Bleiben wir unserer Identität treu. Verkaufen wir unsere Heimat nicht an fremde Investoren.

Gestalten wir sie selbst!

 

 

Sebastian Rastl, Musiker

Grundlsee/Wien

 

 

 

 

Reaktionen auf die Presseaussendung des Bürgermeisters vom

5. Aug. 2013:

 
Brief von DI Walburg Wolkerstorfer:
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Franz Frosch
 
Ich möchte Ihnen eine Begebenheit bezüglich der Überbauung der Altausseertraun im Bereich des Parkplatzes Ischlerstraße zur Kenntnis bringen.
Zufällig kam ich mit einem Bürgermeister aus Oberösterreich Linz Land ins Gespräch. Er kam zu dem vor wenigen Wochen stattgefundenem Bürgermeistertreffen nach Bad Aussee und suchte in der Altausseerstraße nach einer bestimmten Hausnummer, die er auf Grund des Durcheinander der Nummern (nicht chronologisch) nicht fand. Dabei kamen wir auf die Überbauung der Traun zu sprechen. Er war höchst erstaunt, dass in der heutigen Zeit noch Bäche und Flüsse überbaut werden, solche Überbauungen wurden im vorigen Jahrhundert bzw Jahrtausend gemacht. In seiner Gemeinde bemüht man sich, diese Fehler wieder auszubessern und versucht mit hohem Geldaufwand Bäche und Flüsse frei von Überbauungen zu bekommen auch in Anbetracht der sich häufenden Hochwasserereignisse. In seiner Gemeinde (wesentlich mehr Einwohner als Bad Aussee, weit über 5000) gibt es 3 Supermärkte, die Bevölkerung ist ausreichend versorgt.
Damit ist klar, dass der Gedanke der Überbauung von Bächen und Flüssen aus dem vorigen Jahrhundert bzw Jahrtausend stammt und nicht mehr zeitgemäß ist, man müsste sich nur in anderen Gemeinden der Größenordnung von Bad Aussee umsehen.
Dass mit der Überbauung der Traun 300 Parkplätze geschaffen werden, wird auch durch gebetsmühlenartige Wiederholungen nicht richtiger. Es gehen die jetzigen Stellplätze verloren, weitere 100 Parkplätze sind für das Einkaufs- und Bürozentrum reserviert, bleiben unter dem Strich maximal 60 zusätzliche Stellplätze übrig.
Es drängt sich die Frage auf, wer sind die Investoren und Hintermänner, die an diesem Projekt das Geld verdienen, die die Förderungen kassieren und Sie als Bürgermeister für ihre ureigenen Interessen benutzen, um Sie den Bürgermeister am Ende des Tages allein im Regen stehen zu lassen. Caritative Aspekte und selbstloses Interesse an einer positiven Stadtentwicklung von Bad Aussee wird man ihnen wohl nicht unterstellen können.
Bezüglich Rückführung der Traun in ihr ursprüngliches Bett: Die Altausseertraun kann an dieser Stelle gar nicht in ihr ursprüngliches natürliches Flussbett zurückgeführt werden. Sie wurde im 12. Jahrhundert zum Schwabenwald hin in einer unnatürlichen Kurvenführung verlegt, da sie ursprünglich ihr natürliches Flussbett im Bereich der heutigen Ischlerstraße hatte. Dasselbe gilt für die Grundlseertraun im Bereich Meranplatz.
Auch ist mir neu, dass die Ausseerinnen und Ausseer in dieses Projekt eingebunden werden. Ich weiß von keiner Veranstaltung, die dieses Projekt der Öffentlichkeit vorstellte und bei der auch die Öffentlichkeit ihre Meinung äußern durfte. Bis heute sind Ihren Worten von offener Bürgerbeteiligung, Information, Zuhören, welche Sorgen und Probleme die Bevölkerung hat, keine Taten gefolgt. Worte allein sind zu wenig.
Vielleicht wäre es gut, wenn Sie einmal selbst mit offenen Ohren und Augen durch die Stadt gehen und sich die Meinungen der dort lebenden und arbeitenden Menschen anhören und sich die zahlreichen leer stehenden Geschäfte in der Haupt- und Ischlerstraße ansehen.
Zum sogenannten Stadthotel am Areal des alten Bades: bevor man ein Projekt plant, müsste die Zufahrt geregelt sein. Was nützt das schönste Projekt, wenn ich nicht zufahren kann. Was ist mit dem historischen Gebäude in der Gartengasse gegenüber dem alten Bad. Das Haus wurde von Erzherzog Johann für seinen Jagdfreund gebaut, hat noch mundgeblasene Butzenscheiben und ist weder für Einheimische noch für Gäste an diesem zentralen Standort ein schöner Anblick. Vielleicht könnte Sie sich einmal diesen Dingen widmen.
 
Mit freundlichen Grüßen und auf ein lebens- und liebenswertes Bad Aussee
 
Wolkerstorfer
 
Dipl.Ing Walburg Wolkerstorfer
Altausseerstraße 9
8990 Bad Aussee
 

 

Brief von Mag. Leopoldine Petcold (Narzissenapotheke):

 

Sehr geehrter Herr Wasner, sehr geehrte Frau Dr. Welzig, lieber Hannes, liebe Elisabeth!

 

Ich bin gestern über die unten zitierte ARF-Presseaussendung gestolpert, die für mich ein enorm dreister Versuch der Blendung im Auftrag und in null Prozent Originalton Frosch ist. Ich konnte diesmal nicht nur tief durchatmen und an Felix Mitterers "Piefke-Saga", "Verkaufte Heimat", etc. denken.

 

Zu zehnten Geburtstag meines Betriebes ziehe ich mit Freude und einer tiefen Zufriedenheit Bilanz. Nach zehn Jahren mit der Gemeinde fällt meine Bilanz der Wahrheit gemäß vernichtend aus. Ich wollte Euch das nicht verschweigen, obwohl Ihr beide bei den erwähnten Machenschaften nach meiner Information und nach meiner Beobachtung unbeteiligt ward und seid.

 

Mit besten Grüßen

 

Leopoldine

 

Sehr  geehrter Herr Bürgermeister Frosch, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Köberl!

Als seit einem Jahrzehnt selbständige Gewerbetreibende in Aussee ist mir Vieles  aufgefallen, was bei mir beim besten Willen keinen guten Eindruck hinterlassen kann. Um Ihnen zu vermitteln, wie Ihre  Vorgangsweise und der Stil „der Gemeinde Bad Aussee“ auf mich wirkt, habe ich mich entschlossen, Ihnen ein paar der Erlebnisse zur Kenntnis zu bringen oder in Erinnerung zu rufen. Meine Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll Ihnen näher bringen, warum ich manchmal beinahe dachte, ich wäre in ein Stück von Felix Mitterer geraten. Das Ausmaß an Brutalität, Ignoranz, Gleichgültigkeit, Kaltschnäuzigkeit Einzelner im Umgang mit der Bevölkerung und den Ressourcen überstieg meine Vorstellungskraft.

Ihre Vorgänger haben damit angefangen, Sie setzen nun im gleichen Stil fort, reden von 13 neuen Geschäften in einem Trauncenter, vielen Parkplätzen und  Ähnlichem. Was tut die „Gemeinde Bad Aussee“ für die bereits hier ansässigen Gewerbetreibenden, welchen Support haben sie von der Gemeinde zu erwarten? Wenn ich die Frage von meiner Warte aus beantworte, kann ich der Wahrheit gemäß nur sagen:„Keinen". Man/frau wird als Unternehmer/in eher behindert als gefördert .

Ein Beispiel: Straßenbauarbeiten werden so vergeben, dass an neuralgischen Punkten gleichzeitig  aufgerissen wird. Wenig erfreulich ist dabei auch das Arbeitstempo. Bei der Sanierung der Altausseerstraße war die Durchfahrt ein Dreivierteljahr(!) in der Hauptsaison erschwert oder unmöglich, weil die Straße gesperrt war. Wenn ich nachgeschaut habe, wurde entweder nicht gearbeitet oder ein bis zwei mit Werkzeugen bewaffnete Personen haben lustlos vor sich hingewerkt. Der Verdienstentgang aller Betroffenen war nie ein Thema für die Gemeinde. Ein, zwei Jahre später ging die Sanierung der Mautbrücke ähnlich schleppend vor sich hin. Hier waren außerdem an den angrenzenden Häusern verursachte Schäden zu bemerken, die lange nicht repariert wurden. Solche Dinge sind vom Verursacher  der Versicherung zu melden oder zu beheben; die Dauer dieser Verfahren spiegelte das geringe Engagement der Verantwortlichen wider.

Ein weiteres Beispiel: Die Gemeinde vermietet Werbeflächen wie die vier Schaukästen, verlangt gutes Geld dafür, erbringt aber keine adäquate Gegenleistung. Wenn schlecht befestigte Tafeln in den Schaukästen herunter fallen, werden sie frühestens vor dem nächsten Narzissen-Fest wieder angebracht. Verfärbte, teilweise schon fast unleserliche Tafeln werden nicht erneuert, die Schaukästen oft monatelang nicht gesäubert.

Viele Lokalpolitiker präsentieren sich im Rahmen Ihrer Selbstdarstellung gerne als Helfer und Förderer der Wirtschaft. Sie lassen keine Gelegenheit aus, sich mit sogenannten Investoren zu zeigen, Projekte anzukündigen, die als großer Gewinn für die Region verkauft werden. Wahrheitsgehalt ist daraus keiner abzuleiten, die Realität zeigt ein anderes Bild. Die psychologisch und werbetechnisch perfekt aufbereiteten Zeilen Ihrer Ghostwriter in der ARF-Presse-Aussendung vom 5.8.2013, mit deren Hilfe Sie Ihre Visionen vom Trauncenter verbreiten, reihe ich zum Beispiel genau dort ein. Der Gewinn geht letztlich nur in die Taschen der Investoren. Dafür verschenkt die Gemeinde für den Handel wichtige Grundstücke wie den Scheckparkplatz an Investoren, finanziert  Probebohrungen u. Ä. mit Beträgen aus der öffentlichen Hand , die allemal für die Sanierung dieser Liegenschaft ausgereicht hätten und Aussee einen ordentlich asphaltierten Parkplatz im Zentrum brächten. Über den Entgang der Parkgebühren will ich mich gar nicht weiter äußern, genauso wenig, wie ich nicht mehr über den groben Unfug  „Errichtung eines Trauncenters und dessen Folgen“  nachdenken will, z. B. wie weit im Falle einer Verklausung das Hochwasser steigen wird und wer für entstandene Schäden aufkommen wird. Nach dem Jahrhunderthochwasser 2002 hatte die Gemeinde kein Geld für ein  paar Meter Hochwasserschutz im Praunfalk übrig, riskierte ohne Zögern, dass den Anrainern auch 2013 Wasser in die Keller floss, speiste sie mit ein paar rührenden Worten ab. Bei näherer Betrachtung entsteht der Eindruck, die Gemeinde investiert lieber in sogenannte Investoren.

Umgekehrt kommt die Gemeinde nur zu unsereiner, wenn um Spenden gebeten wird oder jemand gesucht wird, der ehrenamtlich, d. h. gratis für irgendetwas arbeitet, damit der eine oder andere Politiker sich damit brüsten kann. Skrupel, so ein Ansinnen an jemanden zu richten, der ohnedies schon eine sechzig bis hundert Stunden Arbeitswoche hat, konnte ich bisher nicht bemerken.

Wie anfangs erwähnt wird mein Betrieb heuer zehn Jahre alt. Ich, die „Zugereiste“, habe den Sprung in die Selbständigkeit gemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten: seitens der Gemeinde hat man in so einem Fall Geringschätzung und eine Menge Knüppel vor den Füßen zu erwarten. Das Argument "Arbeitsplätze" (ich beschäftige 7 Personen), spielt für die Politiker in dem Fall keine Rolle, genauso wenig die vielzitierte Qualität der Arbeitsplätze. Ich habe drei Mitarbeiterinnen nach ihren vierzigsten Geburtstag den Abschluss einer Berufsausbildung und anschließend den Erwerb von Zusatzqualifikationen auf Kosten des Betriebes ermöglicht. Ich biete Voll- und Teilzeitarbeitsplätze mit einer geregelten Dienstzeit, es gibt kaum Personalfluktuation. Dafür  wurde ich von keiner Seite mit besonderen Förderungen überschüttet, ganz im Gegenteil: es gab sogar Versuche von Lokalpolitikern, von mir Dankbarkeit einzufordern, weil ich mich mit meinem Betrieb ansiedeln durfte!

Ich nehme das Verhalten mir gegenüber keineswegs persönlich, ich halte es für die Norm im Umgang mit den Gewerbetreibenden.

 

Ich für meinen Teil habe meine Entscheidung nie bereut. Wertschätzung und eine gute Aufnahme erfahre ich durch meine Kundinnen und Kunden und das wiegt für mich alles andere mehr als auf.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. pharm. Leopoldine Petcold
Inhaberin der Narzissen-Apotheke und Reform-Drogerie
 
Altausseerstraße 62
8990 Bad Aussee
 
und
 
Leopoldine Petcold
politisch interessierte Privatperson ohne Parteizugehörigkeit
Bad Aussee – St. Martin am Grimming
 
 
Antwort von Dr. Elisabeth Welzig:

Sehr geehrte Frau Magister, liebe Leopoldine,

 
vorerst möchte ich Dir einmal zu Deiner Zivilcourage gratulieren! Deine klaren Worte sollten die Betroffenen nachdenklich stimmen, ob sie das allerdings auch tun, ist zu bezweifeln: Die Meinung der Bürger/innen ist jetzt offenbar ebenso wenig gefragt, wie sie das beim früheren Bürgermeister war. Sie dürfen alle fünf Jahre ihre Stimme im wahrsten Sinn des Wortes "abgeben", dann sollen sie möglichst stimmlos sein und die "Goschn" halten. Umgangssprachlich nennt man das dann "z`sam halten".
 
Ja, das Verschleudern von Grund und Boden an sogenannte "Investoren" und das Hofieren der werten Herren, die Aussee als ausbeutbares "Entwicklungsland" entdeckt haben, erinnert auch mich immer wieder an die Piefke-Saga. Allerdings: Aussee ist wieder einmal hinten. Felix Mitterer hat seine Serie vor mehr als 20 Jahren geschrieben. Inzwischen weiß man um die Fehler, die damals vieler Orts geschehen sind und hat sie teilweise wieder korrigiert. Aussee muss die Fehler aber erst machen!
Das ist die Problematik, wenn es als besondere Tugend gilt, nie eine Weile von Aussee weg gewesen zu sein...
 
Ich bewundere Dich dafür, dass Du auf dem schwierigen Terrain über alle Stolpersteine hinweg Deinen Weg gegangen bist. Der Erfolg und die Anerkennung Deiner zufriedenen KundInnen, zu denen auch ich gehöre, geben Dir recht.
 
Liebe Grüße,
 
Elisabeth Welzig
 
P.S. Übrigens: Es sind auffallend viele gut ausgebildete Frauen, die sich gegen das geplante Schandmal auf der Traun zur Wehr setzen. Wahrscheinlich sollte die Gemeindeführung mehr auf sie hören, statt immer ihr eigenes Süppchen zu kochen.
 
 
 
Brief von Michaela Huemer (EIDLHUBER):
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Frosch!
Grüß' Dich Franz!

Bezüglich des geplanten Einkaufszentrums  muss ich mich jetzt nochmal hinsetzen und Dir schreiben. Wie Du Dich vielleicht erinnern kannst, habe ich vor einiger Zeit diesen Weg schon einmal gewählt und mich an Deinen Vorgänger Otto Marl gewandt.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, welche Beweggründe Ihr habt um ein solches Einkaufszentrum mit Parkdeck zu forcieren!
Es kann meiner Meinung nach unmöglich um die Bedürfnisse der Menschen, die hier ständig wohnen (denn Supermärkte gibt es viele) gehen und ebenso wenig eine Bereicherung des Angebotes für die Gäste des Ausseerlandes sein.
Worum also geht es hier wenn nicht um Macht und Geld??

Bei genauerem Hinsehen, muss jedem auffallen, dass die Geschäftslokale der halben Hauptstraße bereits leer stehen. Warum das so ist, hat man sich das schon einmal gefragt? Die Zeiten für Wirtschaftstreibende sind nicht die allerbesten, die Kaufkraft ist aufgrund der massiven Teuerung im alltäglichen Leben (Miete, Lebensmittel usw.) deutlich gesunken und daher braucht es schon einiges an Mut, Euphorie und Unterstützung auch von öffentlicher Seite um sich als Privatperson  über das Projekt der Selbständigkeit zu wagen. Anders ist das natürlich bei großen Konzernen, mit entsprechendem Hintergrund. Für diese sind Projekte in Kleinstädten einfach nur Rechenbeispiele und mit entsprechender Unterstützung der Gemeinden und Stadträte rasch umgesetzt und genauso rasch wieder beendet, bei sich nicht umgehend einstellendem, entsprechendem Erfolg.
Was fehlt denn noch im Angebot einer Kleinstadt oder besser, Region Ausseerland? Wie wäre es mit einem weiteren Bäcker oder noch einem Gasthaus oder Kaffeehaus?
Wenn Gäste zu mir kommen und mich an Ihren Gedanken rund um Ihren Aufenthalt in unserer wunderschönen Gegend teilhaben lassen, wenn Sie mich wissen lassen, warum Sie so gerne ins Ausseerland fahren (und Ihr Geld da lassen!), dann kommt IMMER auch das Argument, dass es hier noch kleine, persönlich geführte Geschäfte mit individuellem Angebot gibt und noch kein einziger hat das Fehlen eines weiteren Supermarktes oder sonstiger Ketten/Großkonzerne angebracht.
Gar nicht weit weg, in Ebensee, hat man kürzlich nur ein bisserl abseits des Ortskerns, ein solches Zentrum eröffnet. Bitte schaut Euch an, was mit dem kleinen Zentrum von Ebensee passiert und auch, wie das aussieht!
Auch einen Besuch in Gastein würde ich empfehlen: dort wurde ein ähnliches Projekt aufgezogen und somit das alte Zentrum (sehr ähnlich unserer Hauptstraße) völlig ausgehungert!! Und bitte hört Euch an, was die Bewohner und Gäste dazu sagen.
"Aus Fehlern lernt man" heißt es, wenn man will, kann man auch aus Fehlern der anderen lernen und hoffentlich richtige Entscheidungen treffen.
Für ein Positiv-Beispiel könntet Ihr auch einmal Kitzbühel besuchen. Die Struktur ist sehr ähnlich unserer, aber Sensibilität im Umgang mit dem Stadtkern, dem uralten Zentrum, an jeder Ecke fühlbar!
Die wissen, auf welchem Schatz (Altstadt) sie sitzen!

Und wie könnt Ihr Probebohrungen um € 30.000 in Auftrag geben, wo jeder mit gesundem Hausverstand erkennen kann, dass immer wieder Material aus dem Schwabenwald abrutscht? Ich gehe den Weg sehr oft und gerade nach den letzten großen Regenfällen, war es ganz deutlich zu sehen.

Und noch ein Projekt der Stadtgemeinde Bad Aussee, von dem ich gehört habe, bewegt mich: die Pläne für den Chlumeckyplatz.
Ein wunderschön angelegter, mit viel Gefühl und Aufwand instand gehaltener Platz, der jeden Donnerstag eine wunderbare Kulisse für den Wochenmarkt und einmal im Jahr für den Kirtag abgibt, hin und wieder auch für Hochzeitsgesellschaften zur Fotolocation wird, und auf dem auch sonst viele Gäste flanieren und die Ruhe unweit der Durchzugsstraßen genießen.
Wenn es wahr ist, soll dieser Platz zum Veranstaltungsplatz werden? Bierzelte sollen hier abgehalten werden, vielleicht wieder einmal ein grandioser Fischmarkt?
Was ich noch nicht erwähnte, hier wohnen auch Menschen! In der Hauslauergasse wurde gerade wieder eine neue Wohnanlage fertiggestellt und bezogen, im ehemaligen Öhlinger/Hölzlsauer/Grieshofer/Wilfinger sind ebenfalls etliche Wohnungen untergebracht, natürlich auch bei uns im Haus - und so zieht sich das über den ganzen Platz. Auch das Hofer-Haus soll verkauft und auch wieder in vollem Ausmaß bewohnt werden.
In unmittelbarer Nähe befindet sich nicht nur unser Vorzeige-Hotel, das Erzherzog Johann, sondern auch die PVA, in der die Kurenden Ruhe und Erholung suchen.
Darf EIN Mensch darüber entscheiden, in welcher Qualität die Menschen hier wohnen sollen? Meiner Meinung nach nicht, auch dann nicht wenn er Prof. Hueber heißt!
Es wird dringend nötig sein, Eure Pläne dazu publik zu machen und ich bin auf die Reaktion der Bewohner des Stadtzentrums schon sehr neugierig. Ich für meinen Teil, werde alles in meiner Macht stehende tun, dass der Platz und seine Nutzung so bleiben, wie sie sind - inklusive der Grünflächen.

Es tut mir leid, aber ich verstehe Euer Vorgehen nicht. Ich erwarte mir (wenn man das darf) von unseren gewählten Vertretern Voraussicht und eine sensible Umgangsweise mit unseren Ressourcen, damit vor allem auch unsere Kinder noch davon profitieren können.
Nie wird man es allen recht machen können, das wäre eine Illusion, aber die Tragweite seiner Entscheidungen sollte man doch abschätzen können.

Mit besten Grüßen,

Michaela

Michaela Huemer

EIDLHUBER - Aussee
Chlumeckyplatz 45
8990 Bad Aussee

 

 

Sämtliche Reaktionsschreiben wurden mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorinnen und Autoren veröffentlicht.