Parkhaus und EKZ: Projektbeschreibung von Alois Rastl

 (Aug. 2013)

 

 

Einleitung: Nachdem dieses Bauvorhaben in der Bevölkerung besonders umstritten ist und im Baubüro der Stadtgemeinde Bad Aussee (im Folgenden „Gemeinde“) keine Projektbeschreibung bzw. –darstellung erhältlich war, habe ich aus diversen Unterlagen, Briefen und Presseartikeln mosaikartig eine möglichst objektive Beschreibung versucht. Ich hoffe, damit Interessierten den Einstieg ins Thema zu erleichtern.

 

  1. Das Projekt: Kurzbeschreibung, Bauherr und Bausumme, derzeitiger Stand, Anhang: Übersichtsplan im Grundriss

    Mit dem Ziel die Parkmöglichkeiten im Ort zu verbessern und Nahversorgungs-betriebe anzuzieh’n, ließ die Gemeinde (=Grundeigentümerin) im Februar 2011 durch ihren Berater für Ortsentwicklung „RegioZ“ (Bertram Mayer, Gleichenberg, gegr. 2003) eine Investorenausschreibung erstellen. Im Rahmen dieser Ausschreibung wurden die Bebauung des Parkplatzes der Ischlerstraße („P2“) mit einer teilweisen Überbauung der Altausseer Traun über eine Länge von max. 100m (bei Freihaltung einer lichten Höhe von 5 m zur Bachsohle) und die Schaffung von 300 Parkplätzen und Geschäftsflächen vorgegeben. Erst im Text von „ARF 4.Aug.13“ (siehe unten) ist erstmalig auch von Büros die Rede. Den Zuschlag erhielt der Vorschlag der Firmengruppe von KR Anton PLETZER, Hopfgarten, Tirol. Zwischen der Gemeinde und der Niederlassung dieser Firma „Trauncenter Bad Aussee GmbH“ wurde ein Baurechtsvertrag aufgesetzt, der vorsieht, dass diese Firma die Planung vergibt, das Projekt errichtet und betreibt. Eine ausreichende Rentabilität muss sich aus den Rückflüssen aus dem Betrieb des Projekts darstellen lassen. Erst „ARF 4.Aug.13“ ist zu entnehmen, dass die Projektplanung an das Arch.-Büro von DI. Hans-Peter Machné aus Lienz vergeben wurde. Mangels einer Planung gibt es noch keine Baukostenschätzung.

  2. Projektnutzen, Zielsetzungen, Argumente und Widersprüche: Parkplätze und Verkaufsflächen

    Üblicherweise herrscht zwischen den Projektbefürwortern und –gegnern schon im Hinblick auf die Nachfrage an den zu schaffenden Projektinhalten Zwietracht. Wie’s jetzt in der Hochsaison mit den Parkplätzen aussieht, könnte am besten der Parkplatzwächter der Gemeinde, Herr Leimböck, sagen. Er bemüht sich redlich um eine Aufteilung der Autos, schließlich gibt es auch entlastete Flächen („Gimpelinsel“). Und ist es für eine moderne Raumordnung ein Ziel, alle Autos nach Möglichkeit im Ortskern abzustellen?
    Das Bauvorhaben ist für neue 300 Parkplätze vorgesehen, inklusive der bereits auf „P2“ bestehenden 140. Das EKZ bräuchte zusätzliche 100 Parkplätze (für die Einkäufer unentgeltlich), sodass das Projekt eigentlich nur 60 neue Plätze schaffen würde.
    Wie für die Parkplätze, so gehen auch die Meinungen betreffend die benötigten Verkaufsflächen im Ort auseinander. Eine Marktuntersuchung Steiermark 2003/04 „MUST“, Detailbericht Bad Aussee, erstellt im Auftrag der RegioZ mit finanzieller Unterstützung der WK Steiermark von CIMA Österreich GmbH, Ried Innkr., kommt zum Schluß, dass die Stadt vor 10 Jahren 450-550 m2 neue Flächen mehr brauchte. Inzwischen wurden jedoch bedeutende Verkaufslokale geschaffen: Unimarkt, Landmarkt, Eisenhof, usw. Gegenüber im Ort vorhandenen ca 10.000 m2, würde das Bauvorhaben auf einen Schlag 4.000 m2 an neuen Verkaufsflächen bringen, wobei bisher keine Nachfrage erhoben wurde. Die Projektgegner sehen daher berechtigter Weise das Risiko, dass das neue EKZ bestehende Geschäfte im Ort leer stehen lassen würde.

 

 

 

  1. Technische und kulturtechnische Probleme des Baugrunds

    Die Überbauung der Altausseer Traun durch eine Betonplatte ist ein Thema, das den Naturschutz wie kaum ein anderes interessiert. Die Gemeinde hat dem Rechnung getragen und mit Unterstützung des Pumpernig & Partner ZT GmbH, Ing. Kons. f. Raumplanung und Raumordnung, Graz, die Änderung der Raumordnung im Sinn des Projekts bei der steirischen Landesregierung betrieben. Deren Stellungnahmen lesen sich wie folgt:
    Landesregierung, Bau- und Landschaftsgestaltung, DI. Marion Schubert, Sept. 2011: „….Das prägende Element des Flusslaufs wird nicht in seiner Qualität genutzt und hervorgehoben, sondern durch die Länge und Dimension der Überbauung zum Verschwinden gebracht. Infolge des zu erwartenden Dimensions- und Strukturbruchs und der geringen Berücksichtigung vorhandener naturräumlicher Gegebenheiten und Qualitäten ist durch die geplante Ausweisung mit einer empfindlichen Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes zu rechnen.“
    Landesregierung, Umweltanwältin MMag. Ute Pöllinger, Sept 2011, nimmt Stellung zur geplanten Änderung des Flächenwidmungsplanes „Parkdeck und EKZ Ischlerstraße“ und findet (aus detailliert angeführten Gründen) die Inanspruchnahme des öffentlichen Gewässers (der Altausseer Traun) und des angrenzenden Hangbereichs für die Neuerrichtung eines Bauwerks aus raumordnungsrechtlichen Gründen schlicht unmöglich.
    Landesregierung, Bau- und Raumordnung, Ing. Günther Trost, Sept 2011, bestätigt die Aussagen der Umweltanwältin und erinnert an die Bestimmungen des Regionalen Entwicklungsprogrammes für die Planungsregion Liezen, wonach Uferstreifen entlang natürlich fließender Gewässer von mindestens 10m, gemessen ab der Böschungskante, als Grünzonen gelten und von der Festlegung von Bauland grundsätzlich freizuhalten sind. Zusammenfassend beurteilt er die Änderung der Raumplanung aufgrund von Widersprüchen zu den Raumordnungsgrundsätzen, zum Regionalen Entwicklungsprogramm Liezen und dem Programm zur hochwassersicheren Entwicklung der Siedlungsräume negativ.
    Landesregierung, Umwelt und Raumordnung, Raumordnungsrecht, Dr. karl Gollner, Okt 2012: es ist dies das jüngste und ausführlichste Schreiben betreffend die landesgesetzlichen Bestimmungen bzw. Raumordnungsgrundsätzen. Es läßt der Gemeinde eine Frist von 4 Wochen, um eine Stellungnahme abzugeben.
    Trotz dieser deutlichen Stellungnahmen ist es im weiteren Verlauf der Gemeinde gelungen, durch eine unverständliche Widmungsänderung den Einspruch der Landesregierung gegen das Projekt aufzuheben. Ing. Trost als Sprecher der hauptsächlichen gegen das Projekt sprechenden naturschutzgesetzlichen Einwände scheiterte schlicht an der Unbelehrbarkeit der Gemeinde. Die letztlich Zustimmung der Landesregierung zur Änderung des Stadtentwicklungskonzeptes und des Flächenwidmungsplanes kommt damit einer Resignation der Beamtenschaft gleich, keineswegs aber „stellt sich das Land Steiermark ausdrücklich hinter das Projekt“, wie es die Gemeinde beschönigend im Werbetext „Ein Gewinn für das Stadtzentrum“ des Ausseer Regional-Fernsehens vom 4. Aug. 13 (im Folgenden zitiert als „ARF 4.Aug.13“) glauben machen will.

    Neben dem besonders sensiblem Bereich der Traunüberbauung wird die Machbarkeit des Projekts auch durch eine Hang-Instabilität entlang des vom Schwabenwald abfallenden Steilhangs bedroht. Die Gemeinde trug dem durch die Vergabe eines geologisch-geotechnischen Gutachtens, verfaßt von Geosolutions Ing.büro f. Geologie, Dipl.Geol.Dr.Gerald ANTHES, Okt 2012, Rechnung. Dieser stellt zwar fest, dass es für die Errichtung und den Betrieb des Projekts kein besonderes geogenes Gefährdungspotential durch die Hangböschung gibt, gleichwohl empfiehlt er eine Baugrunduntersuchung zur Ermittlung der Untergrundverhältnisse rechts- und linksufrig der Altausseer Traun als Aufschließungserfordernis.

    Schließlich noch ein kurzer Kommentar zu den Auswirkungen das Projekts auf den Verkehr im Ortszentrum. „Belebung des Stadtzentrums“ ist nämlich die schöngefärbte Variante für die Zunahme des Verkehrs. Dieser Nachteil ist zu erwähnen, wann immer das Projekt dafür gerühmt wird, „ein Einkaufszentrum an der Peripherie zu verhindern“ (ARF4.Aug13). Nach aufmerksamer Lektüre der Korrespondenz zwischen Land Steiermark und der Gemeinde hab ich keine Stelle gefunden, welche das Projekt dafür rühmt.

    Der Text „ARF4.Aug.13“ kündet die „Renaturierung der Traun“, eine besonders zynische Bemerkung, ist doch das Hauptmerkmal des Projekts die Betonplatte über der Traun, eine Massnahme eigentlicher Abkehr von der Natur und Hauptansatz der Projektgegner. Eigentlich verrät die Projektvorbereitung der Gemeinde erst durch solche vermessene Beschönigungen, dass sie doch nicht so solid ist, wie es erscheinen könnte. Nicht als Folge des Projekts kehrt der Fluss „in sein ursprüngliches, natürliches Flussbett zurück“ – wie es der Text infamer Weise glauben machen will! Eine vom Projekt unabhängige Rechtslage erzwingt eine Änderung des bisherigen Kleinkraftwerks, das weiter oben der Traun das nötige Wasser entnimmt und durch ein eigenes Fluder wieder unten (bisher unterhalb des Bauplatzes) ins Flussbett abgibt. Warum muss „ARF4.Aug.13“ zu solchen unwahren Verdrehungen Zuflucht nehmen? Wohl um die Ansichten der Bevölkerung über das Projekt „gefühlvoll“ im Lager der Projektbefürworter „einzubetten“.